Eine SAP S/4HANA-Migration stellt Unternehmen vor eine doppelte Herausforderung: Wie lässt sich das Business für neue Geschäftsprozesse gewinnen und aktiv einbinden – und wie können diese Anforderungen zugleich punktgenau, termingerecht und ohne Informationsverlust in der IT umgesetzt werden?
Die Antwort von SAP lautet „Business Transformation as a Service“. Das Herzstück dieser Strategie bildet das nahtlose Zusammenspiel von SAP Signavio und SAP Cloud ALM (Application Lifecycle Management).
Die Rollenverteilung: Strategie trifft auf Ausführung
Um die Partnerschaft zwischen den beiden Plattformen auf den Punkt zu bringen, hilft eine einfache Metapher:
SAP Signavio ist der Architekt, der den perfekten Bauplan zeichnet.
SAP Cloud ALM ist der Bauleiter, der dafür sorgt, dass das Gebäude exakt nach Plan hochgezogen, getestet und in Betrieb genommen wird.
Vereinfacht gesagt: Signavio sagt Ihnen, WAS Sie tun sollten, und Cloud ALM hilft Ihnen dabei, ES UMZUSETZEN.
RISE with SAP Starterpaket
Für Kunden, die auf RISE with SAP setzen, ist bereits ein Signavio-Starterpaket enthalten. Dieses umfasst Lizenzen für SAP Signavio Process Insights (einmaliger Datenupload), den Process Manager (begrenzte Modellierungsnutzer) sowie den Process Collaboration Hub.
Die vier Säulen der Sign-to-ALM-Partnerschaft
Die Verbindung zwischen den beiden Cloud-Plattformen erzeugt eine durchgängige, geschlossene Wertschöpfungskette:
- Prozessmodell-Synchronisation: Freigegebene BPMN-Prozessmodelle aus dem Signavio Process Manager werden automatisch nach SAP Cloud ALM übertragen und dort im Projektumfang (Scope) als Solution Processes geführt.
- Anforderungsmanagement & Verknüpfung: Prozesslücken (Gaps) oder Anpassungswünsche werden direkt aus den Prozessschritten in Signavio als technische Requirements und Tasks in Cloud ALM abgeleitet.
- Testmanagement-Auswertung & Qualitätssicherung: Testfälle (sowohl manuelle Tests als auch automatisiert via Tricentis Test Automation) werden exakt an die importierten Prozessschritte geknüpft. Das stellt sicher, dass genau das getestet wird, was das Business definiert hat.
- System-Monitoring & Live-Link: Bei Fehlermeldungen oder System-Events in Cloud ALM gelangt man über einen direkten Live-Link per Single Sign-On sofort zurück in das Prozessdiagramm in Signavio, um die betroffene Business-Einheit zu identifizieren.
Praxisbeispiel: SAP S/4HANA-Migration nach der SAP Activate-Methodik
Egal ob Sie eine Neuimplementierung (Greenfield) oder eine Systemkonvertierung (Brownfield) planen – das Duo bildet das Rückgrat der Transformation:
- Greenfield: Signavio fokussiert sich auf die Auswahl von Best Practices und ein komplettes Redesign der Prozesse. Cloud ALM übernimmt das Anforderungsmanagement und steuert die Neukonfiguration.
- Brownfield: Signavio Process Insights analysiert Ineffizienzen im ECC-Altsystem. Cloud ALM legt den Fokus auf Tests, um die Stabilität im neuen System sicherzustellen.
Die Phasen des SAP S/4HANA-Projekts (SAP Activate)
- Phase 1: Discover & Prepare (Analyse): Process Insights führt einen Quick-Scan Ihres ECC-Systems durch und deckt Schwachstellen auf (z. B. wo Rechnungsprüfungen zu lange dauern).
- Phase 2: Explore (Design / Fit-to-Standard): SAP Best Practices werden in Signavio angepasst und freigegeben. Nach der Synchronisation nach Cloud ALM werden aus den Prozess-Lücken (Gaps) direkt Aufgaben für die Entwickler.
- Phase 3: Realize (Der Bau): Entwickler setzen Anforderungen in Sprints um. Da Testfälle an die Signavio-Prozessschritte geknüpft sind, ist die Qualitätssicherung voll abgesichert.
- Phase 4: Deploy & Run (Livegang & Betrieb): Cloud ALM steuert die Transporte in die SAP S/4HANA-Produktivumgebung und übernimmt das anschließende Schnittstellen- und Performance-Monitoring.
Die Technik: In 4 Schritten zur funktionierenden Schnittstelle
Die technische Einrichtung der Process Content Integration erfolgt über die SAP Business Technology Platform (BTP):
- API-Zugang in Signavio einrichten: Im Signavio Explorer unter Setup > Explizite API-Tokens einen Service-Account erstellen sowie Client ID und Client Secret generieren.
- Destination im BTP-Cockpit anlegen: Im Cloud ALM Subaccount eine BTP-Destination (SAP_SIGNAVIO_INTEGRATION) anlegen (URL Ihres Signavio-Servers, Authentication via OAuth2ClientCredentials).
- Aktivierung in SAP Cloud ALM: In Cloud ALM unter Settings > Integrations > Process Content Integration die erstellte BTP-Destination verknüpfen.
- Synchronisation (Initial Load): Im Bereich Processes den Projekt-Scope definieren und die Signavio-Prozess-Hierarchie importieren.
Wichtiger Stolperstein: Identity Provider (IdP)
Achten Sie darauf, dass beide Systeme denselben Identity Provider (z. B. Azure AD oder SAP IAS) nutzen! Ohne einheitliches Single Sign-On (SSO) müssen sich User bei jedem Absprung zwischen Cloud ALM und Signavio erneut einloggen.
Fazit: Keine „Translation Gap“ mehr
Ohne dieses Zusammenspiel passiert in Migrationsprojekten oft Folgendes: Das Business zeichnet Prozesse in PowerPoint oder Visio, die IT baut etwas Ähnliches im ERP-System, und nach sechs Monaten stimmt die Dokumentation nicht mehr mit der Realität überein.
Mit Signavio und Cloud ALM etablieren Sie eine dauerhafte Single Source of Truth: Vom Business-Bedürfnis ➔ zum Prozessmodell ➔ zur technischen Anforderung ➔ zum Testfall ➔ bis hin zum produktiven Code.



















