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News & Wissen Das war der 6. SAP S/4HANA-Fokustag

Wer jetzt startet, holt morgen auf. Unter diesem Motto stand unser 6. SAP S/4HANA Fokustag am 25. September 2026. In dreieinhalb Stunden ging es um eine zentrale Frage: Wie wird aus der anstehenden SAP S/4HANA-Transformation ein konkretes Businessvorhaben, das messbaren Mehrwert schafft?


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SAP S/4HANA beginnt mit einer Geschäftsentscheidung

Zum Auftakt ging es darum, wie SAP S/4HANA gegenüber der Geschäftsführung argumentiert werden kann. Statt den Systemwechsel nur mit Wartungsenden oder technischen Notwendigkeiten zu begründen, stand der konkrete Geschäftsnutzen im Mittelpunkt.

Dazu wurden drei Fragen formuliert, die eine SAP S/4HANA-Entscheidung beantworten sollte: Was verändert sich für das Geschäft? Was passiert, wenn wir nicht handeln? Und was kostet die Veränderung tatsächlich? Als Beispiele für messbare Ziele wurden unter anderem Liefertermintreue, Working Capital, Durchlaufzeit und die Zeit bis zum Abschluss genannt.

Besonders greifbar wurde dieser Gedanke am Beispiel der Liefertermintreue. Aus einem Ausgangswert von 88 Prozent wurde ein Zielwert von 95 Prozent bis Ende 2028 formuliert. Die Botschaft dahinter: SAP S/4HANA sollte einen vereinbarten Zielprozess unterstützen. Das eigentliche Ziel bleibt eine bessere Geschäftskennzahl.

Damit verbunden war auch ein wichtiger Perspektivwechsel: SAP S/4HANA ist kein reines IT Projekt, sondern ein Business-Projekt. Der Geschäftsnutzen gibt die Richtung vor, die IT liefert dafür das Werkzeug.

Weg vom Moduldenken, hin zum End-to-End-Prozess

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Unternehmen ihre Prozesse neu betrachten sollten. Klassisches Modul- und Abteilungsdenken führt häufig dazu, dass einzelne Bereiche ihre eigenen Kennzahlen optimieren, während an den Schnittstellen Reibungsverluste entstehen.

Der Ansatz der End-to-End-Prozesse setzt dagegen den gesamten Wertstrom in den Mittelpunkt. Dazu gehören klare Process Owner, durchgängige KPIs und ein Prozessverständnis, das sich am Kundennutzen orientiert. Auch Automatisierung und KI wurden als Bausteine genannt, um Medienbrüche und manuelle Übergaben zu reduzieren.

Der Gedanke lässt sich auf einen einfachen Satz bringen: Kunden kaufen keine funktionierenden Abteilungen. Sie kaufen ein durchgängiges Ergebnis.

SAP HCM nach 2030: Die HR-Strategie frühzeitig klären

Auch die Zukunft von SAP HCM war Teil des Vormittags. Im Fokus standen die verschiedenen Transformationspfade rund um SAP HCM for S/4HANA und SAP SuccessFactors.

Dabei wurde deutlich, wie wichtig eine gemeinsame Betrachtung von Zielarchitektur und HR-Strategie ist. Die Präsentation stellte verschiedene hybride Szenarien sowie Optionen für SAP SuccessFactors, Payroll, Zeitwirtschaft und weitere HR-Funktionen gegenüber. Gleichzeitig wurde auf konkrete Lizenzfragen und die Bedeutung einer frühzeitigen Roadmap hingewiesen.

Die praktische Empfehlung war klar strukturiert: Zunächst das tatsächliche Wartungsende bestimmen, anschließend Zielarchitektur und SuccessFactors-Umfang gemeinsam festlegen und dann die benötigte Kapazität sichern.

Realtalk mit SAP: Was wirklich kommt und was nicht

Ein direkter Blick auf die SAP-Roadmap zeigte, welche Entwicklungen für Unternehmen tatsächlich relevant werden und worauf sie sich in den kommenden Jahren einstellen sollten.

So wurde aus dem strategischen Blick auf die Transformation ein konkreter Ausblick auf die weitere Entwicklung von SAP.

Brownfield, Greenfield oder Hybrid?

Eine der Fragen, die viele Unternehmen aktuell beschäftigt, war ebenfalls Teil des Fokustags: Welcher Transformationsweg passt zur eigenen Ausgangslage?

Brownfield steht dabei für die technische Weiterentwicklung des bestehenden Systems. Greenfield bedeutet einen konsequenten Neustart von Prozessen und System. Hybrid verbindet beide Ansätze und übernimmt Bewährtes selektiv, während ausgewählte Bereiche neu gestaltet werden.

Wichtig war dabei vor allem eines: Es gibt keinen Ansatz, der in jeder Situation automatisch passt. Die Entscheidung hängt von Ausgangslage und Zielbild ab. Deshalb wurden vier Fragen als Grundlage für die Vorauswahl vorgestellt, unter anderem zur gewünschten Prozessveränderung, zur Erhaltung bestehender Lösungen und zum Umgang mit Daten, Custom Code und Schnittstellen.

Auch die Wahl des Betriebsmodells wurde bewusst getrennt betrachtet. Brownfield, Greenfield oder Hybrid bestimmt nicht automatisch, ob ein Unternehmen Cloud oder On-Premise nutzt. Das Zielbetriebsmodell muss allerdings früh definiert werden, weil es Architektur, Verträge, Rollen, Kosten und Roadmap beeinflusst.

Agilität und Transparenz im Projekt

Mit SAP Cloud ALM ging es anschließend stärker in die praktische Projektarbeit. Der vorgestellte Ansatz basierte auf kurzen Feedbackzyklen, Sprints und einer kontinuierlichen Überprüfung des Projektfortschritts.

Der zentrale Gedanke: Je kürzer die Feedbackabstände, desto früher werden Abweichungen sichtbar und desto schneller kann gegengesteuert werden. In SAP Cloud ALM werden Sprints strukturiert, Aufgaben geplant, Verantwortlichkeiten zugeordnet und Fortschritte sichtbar gemacht. Auch nicht abgeschlossene Aufgaben bleiben transparent und können gezielt in Folgesprints übernommen werden.

Dabei wurde auch ein wichtiger Praxispunkt hervorgehoben: Agilität entsteht nicht durch SAP Cloud ALM. SAP Cloud ALM schafft aber die Transparenz, um Agilität im Projekt konsequent zu leben.

Daten als Grundlage für Reporting und KI

Beim Blick auf die SAP Business Data Cloud wurde der Bogen von den bisherigen Themen zu einem gemeinsamen Fundament gespannt: verlässliche und einheitliche Daten.

Die Idee dahinter ist, Daten aus SAP- und Nicht-SAP-Quellen zusammenzuführen und für Reporting, Planung und KI nutzbar zu machen. Im Vortrag wurden dafür unter anderem Datasphere, SAP Analytics Cloud sowie Joule und Agenten als Bausteine des Gesamtbilds dargestellt.

Dabei ging es ausdrücklich nicht um einen Big Bang. Der vorgestellte Weg beginnt klein, etwa mit einem Bereich für Reporting und Planung, und kann anschließend schrittweise um weitere Datenquellen, Predictive Planning und Automatisierung ergänzt werden.

KI: Vom Hype zum konkreten Business Case

Auch beim Thema KI ging es weniger um große Zukunftsbilder als um die Frage, was davon heute tatsächlich im Unternehmen funktionieren kann.

Der Vortrag griff den aktuellen Hype rund um KI-Agenten auf und zeigte verschiedene Einsatzfelder innerhalb von Sales, Finance, Procurement, Human Resources, Supply Chain und weiteren Bereichen. Gleichzeitig wurde ein wichtiger Realitätscheck vorgenommen: Ein überzeugender Business Case auf dem Papier reicht noch nicht aus.

Für einen vernünftigen KI-Anwendungsfall braucht es mehr als eine gute Idee. Genannt wurden unter anderem eine passende Infrastruktur, korrekte und vernetzte Geschäftsdaten, eine vertrauenswürdige Governance sowie Prozesswissen und Geschäftskontext.

Damit wurde die Verbindung zu den anderen Vorträgen deutlich: Ohne gute Prozesse und verlässliche Daten bleibt auch der beste KI Use Case-Theorie.

Quick Wins und sichere Go-Lives

Im Fokus standen Quick Wins in SAP S/4HANA, mit denen vorhandene Möglichkeiten besser genutzt werden können, sowie ein strukturiertes Testmanagement für einen sicheren Go-Live.

Die Botschaft war auch hier: Mit dem Go-Live ist die Arbeit nicht abgeschlossen. Der eigentliche Mehrwert entsteht erst in der Stabilisierung, Optimierung und konsequenten Nutzung des Systems.

Aus der Praxis: NSB Group über die Transformation mit SAP S/4HANA

Ein besonderer Einblick kam von Malte-Nils Hunold von der NSB Group. Anhand der eigenen Transformation mit SAP S/4HANA Public Cloud zeigte er, wo Greenfield-Projekte in der Praxis herausfordern und welche Learnings sich daraus ergeben.

Sein persönliches Fazit brachte es auf sechs Punkte: keine Angst vor dem Standard, Greenfield als Lernprozess verstehen, Change ernst nehmen, Perfektion nicht zum Go-Live-Kriterium machen, die Public Cloud als kontinuierliches Projekt verstehen und konsequent am Best Practice-Weg festhalten.

Der abschließender Gedanke: „Ich würde mich wieder für S/4HANA Public Cloud entscheiden. Nicht weil alles perfekt war, sondern weil das System uns gezwungen hat, Finance neu zu denken.“

Unser Fazit

Der 6. SAP S/4HANA Fokustag hat eines sehr deutlich gemacht: Der richtige Startpunkt für eine SAP S/4HANA Transformation ist nicht die erste technische Entscheidung. Er liegt bei der Frage, was sich im Unternehmen konkret verbessern soll.

Von der strategischen Zielsetzung über End-to-End-Prozesse und die Wahl des Transformationswegs bis hin zu Projektsteuerung, Daten, KI und dem laufenden Betrieb ziehen sich dabei dieselben Themen durch den gesamten Vormittag: Klarheit schaffen, Abhängigkeiten sichtbar machen, Entscheidungen früh treffen und Schritt für Schritt vorangehen.

Oder, passend zum Motto des Tages: Wer jetzt startet, holt morgen auf.

 

Stand: 28. September 2026
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