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Business Process Change Analyzer: Systemänderungen gezielt erkennen und Testaufwand reduzieren

News & Wissen Business Process Change Analyzer: Änderungen an SAP-Prozessen punktgenau identifizieren und testen

Neulich kam ein Kunde auf mich zu, um herauszufinden, was alles getestet werden muss, wenn er etwas in seinem SAP S/4HANA-System ändert - beispielsweise beim Einspielen eines Support Packages oder in Bezug auf Customizing-Änderungen mit einem Transportauftrag. Der Kunde wollte wissen, wie er in Erfahrung bringen kann, welche Prozesse von Änderungen betroffen sind, um den Testumfang so gering wie möglich zu halten. Um eine solche Anfrage abzudecken, kommt für mich nur ein Werkzeug in Frage: der Business Process Change Analyzer (BPCA).

Von großem Vorteil ist, dass der Business Process Change Analyzer (BPCA) ein integriertes Werkzeug im SAP Solution Manager 7.2 darstellt und mit geringem Aufwand vollständig eingerichtet ist. Der BPCA enthält die Funktion „Testumfangsoptimierung“, im SAP-Sprachgebrauch auch TSO (Test Scope Optimization) genannt.

Mit dem BPCA erkennen Sie, was überhaupt von der Änderung betroffen ist. Und mit der Testumfangsoptimierung ist es möglich, unnötige Mehrfach-Tests per Regelwerk auszuselektieren. Hier sehen Sie eine Rangfolge mit einem konkretem Vorschlag, was getestet werden soll:

Business Process Change Analyzer Testumfangsoptimierung

Eines ist wohl klar: Wenn immer alles pauschal gestetet wird, entstehen immense Testaufwände. Sie benötigen entsprechend viel Zeit und Ressourcen, bevor Änderungen produktiv gesetzt werden können. Und diejenigen, die nach Gefühl testen – also testen, was ihrer Meinung nach von Änderungen betroffen sein könnte –, haben dadurch große Unsicherheiten, ob nach den Änderungen noch alles läuft.

Mit dem Thema, wie Sie Änderungen an SAP-Prozessen punktgenau erkennen und optimiert testen können, beschäftigen sich in der Regel: Testmanager, Prozessmanager, Projektleiter und Key-User.

Welche Änderungsarten an SAP-Prozessen gibt es?

Im Gespräch mit meinem Kunden ist auch die Frage aufgekommen, was genau unter Änderungen an SAP-Prozessen fällt und welche Anwendungsfälle hier überhaupt gemeint sind.

Bei folgenden Änderungsarten können Sie den BPCA nutzen und herausfinden, welche Ihrer Geschäftsprozesse von Änderungen betroffen sind:

Upgrade SAP S/4HANA On-Premise-System auf ein höheres Release. Im Umfang sind Analyse-Einflüsse von relevanten SAP S/4HANA-Vereinfachungselementen enthalten. Das Upgrade muss mit dem Maintenance Planner im verwalteten System durchgeführt werden.

  • Support Packages / Support Package Stacks

Voraussetzung ist, dass die Support Packages mit dem Maintenance Planner im verwalteten System installiert sind.

  • Erweiterungspakete (EhP)

Voraussetzung ist, dass das Update mit dem Maintenance Planner geplant ist.

  • geplante Aktivierung einer Business Function

Vor der Aktivierung wählen Sie eine oder mehrere Business Functions direkt aus dem verwalteten System aus und prüfen, welche Teile von Geschäftsprozessen betroffen sein werden.

  • Transportaufträge

Sie können sowohl Ihre eigenen Transportaufträge als auch Auslieferungstransporte von SAP auswählen.

  • Objektliste

Die Objektnamen können Sie direkt eingeben oder über eine CSV-Datei importieren.

  • Änderungsvorgang

Die Änderungen von Änderungsvorgängen aus dem Change Request Management wurden bereits implementiert. Änderungen werden in Transportaufträgen in einem verwalteten System erfasst.

Änderungen an SAP-Prozessen punktgenau erkennen

Mit dem BPCA vergleichen Sie die Systemänderungen mit Ihren SAP-Prozessen. Damit das funktioniert, gibt es sogenannte TBOMs (Technical Bill of Materials). Eine TBOM ist eine technische Stückliste, die sowohl an den Änderungen als auch in der Prozessdokumentation hängt. So können die Änderungen und die Prozessdokumentation auf Übereinstimmungen geprüft werden.

Im Bild unten sehen Sie die Systemänderungen (LKW). Es gibt zum Beispiel eine Änderung in der Transaktion VA03 (Kundenauftrag). Diese Änderung könnte in einem Transportauftrag enthalten sein. Dort gibt es jetzt im Bauch der VA03 eine TBOM mit einer technischen Kennung „XYZ“.

In dem Bild rechts sehen wir die Lösungsdokumentation (Bildschirm) am Beispiel des Prozesses eines Pizza-Lieferanten. In dem Knotenpunkt „1. Prüfen, ob Pizza bezahlt ist“ ist die Transaktion VA03 enthalten. Auch hier gibt es eine TBOM mit einer technischen Kennung „XYZ“ im Bauch.

Business Process Change Analyzer Beispiel Lösungsdokumentation

Jetzt geht der BPCA hin und vergleicht alle technischen Kennungen aus dem LKW (Systemänderungen) mit sämtlichen technischen Kennungen aus dem Bildschirm (Geschäftsprozesse). Sobald es eine Übereinstimmung gibt, in unserem Beispiel „XYZ“, landet diese in der Ergebnisliste vom BPCA und in der Testumfangsoptimierung zur weiteren Verwendung.

Genauigkeit von Technical Bills of Materials (TBOMs)

Jedoch gibt es drei verschiedene TBOM-Arten: statische, semidynamische und dynamische TBOMs. Diese unterscheiden sich gravierend in ihrer Genauigkeit, sprich dem Grad an Informationen, die eine TBOM enthält. Je detailliertere Informationen eine TBOM enthält, desto höher die Qualität der Testumfangsoptimierung.

Eine TBOM enthält eine Liste aller Objekte, die an einer bestimmten ausführbaren Einheit (zum Beispiel einer Transaktion) beteiligt sind. Diese Objekte umfassen Elemente der Benutzeroberfläche, Modul-Pools, Funktionsbausteine und Tabellen.

  • statische TBOMs

Statische TBOMs sind am ungenauesten: Bei der Massengenerierung wird die ausführbare Einheit nicht aufgerufen. Das System prüft mit einer Umfeld-Ermittlung, welche Objekte an der ausführbaren Einheit beteiligt sind. Sie benötigen keine Berechtigungen im verwalteten System. Dynamische Aufrufe oder generierte Objekte werden nicht festgestellt und sind nicht Teil der statischen TBOMs.

  • semidynamische TBOMs

Semidynamische TBOMs sind präziser als statische TBOMs und werden per Massenvorgang generiert. Die semidynamischen TBOMs werden per Job regelmäßig erneuert - sofern dafür keine dynamischen TBOMs existieren. Somit sind diese TBOMs einfach immer verfügbar. Eine zusätzliche Konfiguration entfällt, da diese bei der ersten Initialisierung eingerichtet wird. Wie beim Generieren einer statischen TBOM, analysiert das System die Umgebung, um zu ermitteln, welche Objekte sich in der ausführbaren Einheit befinden. Zusätzlich zu den Umfeld-Informationen werden die Objekte anhand der Informationen zur Objektverwendung gefiltert, die die SCMON-Funktion Ihres Systems liefert (SCMON = ABAP Call Monitor). Die semidynamischen TBOM verwendet nur tatsächlich genutzte Objekte. Es wird bis zur 999. Level-Ebene in der ABAP Call Hierarchie ermittelt; Tabellenschlüssel werden jedoch nicht erfasst.

  • dynamische TBOMs

Dynamische TBOMs sind am genauesten, können allerdings nicht automatisch generiert werden. Sie werden beim Durchführen von manuellen und automatisierten Testfällen aufgezeichnet. Die TBOM-Aufzeichnung sollte idealerweise bei jedem Test erfolgen. Die TBOMs enthalten alle Objekte, die tatsächlich während der Ausführung einer Transaktion verwendet werden und es gibt keine Einschränkung der Ebene in der ABAP Call Hierarchie, ebenso werden auch Tabellenschlüssel erfasst.

Technical Bills of Materials (TBOMs) richtig anlegen

Für das automatische Anlegen von statischen und semidynamischen TBOMs planen Sie den Hintergrundjob AGS_BPCA_TBOM_STATIC_GEN über die BPCA-Verwaltung ein, um gänzlich fehlende TBOMs zu vermeiden.

Bei jeder Testdurchführung empfehle ich die Aufzeichnung einer dynamischen TBOM, um die Qualität in der Testumfangsoptimierung maximal zu erhöhen.

TBOMs können auch veralten, wodurch die Analyse ungenauer wird. Mittels Hintergrundjob AGS_BPCA_TBOM_OBSOLESCENCE_CHK können Sie veraltete TBOMs erkennen und manuell neu aufzeichnen. Abschließend kalibrieren Sie die veralteten TBOMs, um den TBOM-Gesamtstatus auf „Aktualisiert“ zu setzen.

Aus den erkannten Änderungen an SAP-Prozessen einen optimierten Testumfang definieren

In dem Analyse-Ergebnis werden mehrere Sichten angeboten, sodass Sie die Ergebnisse aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten können.

Hier erhalten Sie einen Eindruck, wie die Analyse-Ergebnisse aussehen können:

Je größer eine Änderung an Ihrem System ist, desto stärker wirkt sich diese Änderung auf Lösungsdokumentationsknoten aus. Wenn Sie beispielsweise ein Support Package einspielen, ist oftmals die gesamte Lösungsdokumentation davon betroffen. Dies bedeutet, dass die Änderungseinfluss-Analyse den Testumfang zunächst nicht verringert.

Die von der Änderung betroffenen Objekte sind mehreren Lösungsdokumentationsknoten zugeordnet und werden somit auch mehrfach im Ergebnis erscheinen. Mit der Testumfangsoptimierung lässt sich das Testergebnis nach Regeln automatisch bearbeiten, Dadurch wird jedes Objekt mindestens einmal, jedoch nicht mehrmals in den Testplan übernommen. Unter anderem ist es möglich, zum Beispiel Ihre Testfallbeschreibung in der Lösungsdokumentation mit Attributen auszustatten, etwa einer Priorität. Darüber können Sie gezielt festlegen, welche Prozesse getestet werden sollen. Wenn nun Lösungsdokumentationsknoten im Ergebnis mehrfach hochkommen und Sie von möglichen 20 Varianten ganz bestimmte fünf Varianten immer testen möchten, selektieren Sie im TSO auf die Priorität der Testfallbeschreibungen. So haben Sie in diesem Beispiel 15 Varianten mit der Priorität „Niedrig“ und fünf Varianten mit der Priorität „Mittel“ oder „Hoch“ in Ihrer Lösungsdokumentation gepflegt. Das reduziert den Testaufwand erheblich.

Nachdem Sie nun den Testumfang optimiert haben, erstellen Sie im nächsten Schritt aus dem Ergebnis der Analyse per 1-Klick einen Testplan, der genau die von der Änderung betroffenen Prozesse enthält. Im TSO haben Sie einen Button „Testplan“. Sie können zwischen „Testplan anlegen“ und „Testplan erweitern“ wählen.

Bei „Testplan anlegen“ erhalten Sie automatisch einen neuen Testplan mit den Informationen aus dem TSO. Sie können den Testplan direkt bei der Anlage bearbeiten und bei Bedarf verändern. Es kann sein, dass Sie trotz des TSO-Vorschlags Prozesse / Schritte entfernen oder hinzufügen möchten. Bei „Testplan erweitern“ ergänzen Sie einen vorhandenen Testplan um den Inhalt vom TSO. Auch den vorhandenen Testplan können Sie direkt beim Erweitern bearbeiten und verändern.

Den Business Process Change Analyzer erfolgreich einführen

Bei meinem oben erwähnten Kunden haben wir innerhalb von vier Wochen auf dem vorhandenen SAP Solution Manager den BPCA konfiguriert, die Mitarbeiter geschult und die Inbetriebnahme durchgeführt. Die Voraussetzungen für den BPCA sind eine gepflegte Lösungsdokumentation und das manuelle Testmanagement.

Wir starteten mit Beispielen, bei denen der Kunden das Ergebnis im Vorfeld ganz genau kannte. Es hat sich schnell herausgestellt, wie wichtig die Aufzeichnung von dynamischen TBOMs ist, um eine gute TSO-Qualität zu erhalten. Aber nicht erschrecken, es muss nicht immer alles auf einmal erfolgen. Die dynamischen TBOMs lassen Sie sukzessive aufzeichnen, eben bei jeder Gelegenheit / jeder Testdurchführung – egal warum. Eine gute Idee ist es, dass die Key-User und Tester schon bei der Testmanagement-Schulung jeweils die Top 5 der wichtigsten eigenen Prozesse aufzeichnen. Dadurch üben sie direkt die Handhabung - bei gleichzeitiger Aufzeichnung dynamischer TBOMs.

Bei eben diesem Kunden führen wir derzeit das Change Request Management (ChaRM: Änderungen aus dem SAP Solution Manager heraus in SAP S/4HANA durchführen und implementieren) ein und integrieren hier auch den BPCA. Bedeutet: Immer wenn eine Änderung über ChaRM durchgeführt wird und der Punkt erreicht ist, dass der Tester die Änderung testen möchte, wird vorab ein BPCA-Lauf durchgeführt und auf dieser Basis getestet – alles direkt aus dem Änderungsbeleg heraus.

Business Process Change Analyzer: die wichtigsten Vorteile

Mit dem BPCA reduzieren Sie durch die enorme Verringerung des Testumfangs Ihren Testaufwand erheblich. Sie sparen sowohl Zeit als auch Ressourcen und gewinnen Sicherheit sowie Stabilität bei Systemänderungen – mit einer hohen Testqualität.

Den BPCA können Sie sowohl projektbezogen als auch im Betrieb einsetzen. Der BPCA ist mit geringem Aufwand vollständig eingerichtet und bietet Ihnen einen hohen Mehrwert durch einen reduzierten Testaufwand.

Abschließend bleibt zu erwähnen, dass Sie mit dem SAP Solution Manager 7.2 von den umfangreichen Integrationsmöglichkeiten profitieren – einer nahtlosen Integration von IT und Geschäftsprozessen. Im Idealfall befinden sich alle relevanten Daten vollständig im SAP Solution Manager.

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